Samstag, 31. Juli 2010

Susanne Eder - Das Geheimnis der Burggräfin


 
Verlag: Goldmann
TB: 465 Seiten

Kurzbeschreibung:

Politische Fehden, Heilkunst und Liebeshändel im Hochmittelalter

1066: Burggraf Bandolf von Worms soll im Harz die Verwaltung einer im Bau befindlichen Burg übernehmen. Kaum dort angekommen, kehrt sein Schreiber Prosperius von einem Botengang nicht zurück. Der Prior des nahegelegen Klosters Sankt Mauritius behauptet, Prosperius sei ein zweifacher Mörder und auf der Flucht. Bandolf glaubt nicht an Prosperius’ Schuld und beginnt zu er mitteln. Doch nicht nur der Schreiber braucht seine Hilfe. Denn Bandolfs schwangere Frau Matthäa, die in Worms bei der Heilerin Garsende zurückbleiben musste, ist plötzlich verschwunden.

Autorin:

Susanne Eder wurde in Karlsruhe geboren, arbeitete lange als Angestellte im Steuerbereich, bevor sie sich selbstständig machte, und lebt mit ihrem Mann und ihrem zwei Katzen in Wattenheim.

Meinung:

Das Geheimnis der Burggräfin ist der dritte Band aus der Reihe um den Burggrafen Bandolf, der fleißig über der Stadt Worms wacht. In diesem Teil jedoch verschlägt es ihn nach Sachsen, um dort für den König den Bau einer Burg zu überwachen. Dabei geht ihm sein junger Schreiber Prosperius verloren, der vor Bandolf lange Zeit ein Geheimnis hütete, das ihm jetzt jedoch den Garaus machen könnte. Prosperius soll angeklagt werden, zwei Morde begangen zu haben, doch Bandolf, der seinen Schreiber kennt, glaubt nicht daran und beginnt sodann in einem Wespennest zu stochern.

Spätestens als Bandolfs schwangere Frau Matthäa in Worms verschwindet, entpuppt sich das Wespennest für den Leser als geschickt eingefädelte Intrige, die ungewohnte Ausmaße annimmt, und die zu durchschauen, Bandolf und Garsende einige Anstrengung kostet.

Susanne Eder ist auch mit diesem Teil ein historischer Krimi gelungen, der den Leser sprichwörtlich bis zur letzten Seite gepackt hält. Das mag nicht nur daran liegen, dass Susanne Eder versteht, die Handlung spannend aufzubauen und die Informationen, die der Leser benötigt, gekonnt einfließen zu lassen, sondern auch an den Figuren, die dem Leser bereits im ersten und im zweiten Band durch ihre liebenswerten und doch mit Ecken und Kanten versehenen Charaktere ans Herz gewachsen sind und denen man in diesem Teil wiederbegegnet.

Ein weiteres Plus an diesem Roman ist Susanne Eders Schreibstil, der leicht und oft zum Schmunzeln daherkommt, und den Bildern, die Susanne Eder, durch ihr geschichtliches Wissen und doch niemals überladen, vor den Augen des Lesers entstehen lässt.

Fazit:

Ein farbenfroher und überaus spannender Krimi aus dem Jahre 1066.

Sehr zu empfehlen auch:
1.Band: Das zerbrochene Siegel
2.Band: Die Verschwörung der Fürsten


©Li

Sonntag, 25. Juli 2010

Zürich - eine Weltstadt?

Laut Wikipedia hat Zürich rund 400.000 Einwohner. Im Gegensatz zu München mit rund 1.300.000 Einwohnern oder New York mit rund 19.000.000 Einwohnern ist Zürich, gesehen von der Einwohneranzahl, ein kleines Städtchen.

Und doch wird Zürich in einem Atemzug mit den Weltstädten New York, München und Paris genannt. Ein Beispiel sind die Einkaufstüten weltbekannter Modelabels, die unter anderem auch neben New York, München und Paris für Zürich werben.

Ist Zürich also eine Weltstadt? Davon, liebe Leser, wollte ich mich überzeugen und habe die Stadt am Zürichsee besucht.

Auf dem Weg durch Zürich bemerkte ich zuerst einmal unzählige Baustellen, auf denen neue Wohnhäuser und Firmengebäude aus dem Boden gestampft wurden. Der Verkehr war enorm und bisweilen irritierend und ich hörte auf der Straße viele verschiedene Sprachen (Italienisch wird von 4,7 %, Sprachen des ehemaligen Jugoslawiens werden von 2,4 %, Spanisch wird von 2,2 %, Französisch wird von2,1 % der Einwohner gesprochen).

Als erstes ging es mit der Straßenbahn (Straßenbahnen und Busse sollte man benutzen, denn mit dem Auto durch diese Stadt zu fahren, ist sehr zeitaufwendig) zu einem Buchladen namens „Orell Füssli“, der wohlbemerkt sehr gut sortiert war.

Direkt neben „Orell Füssli“, der sich in der Nähe der Bahnhofsstraße befand, gibt es unzählige teure Modegeschäfte wie z.B. Prada, Gucci, Versace.

















In der Züricher Altstadt befinden sich viele Sehenswürdigkeiten, alte Bauten, Plätze, Museen und Kirchen. Unter anderem die Fraumünsterkirche, die ich wegen den Fenstern des berühmten weißrussisch – französischen Malers Marc Chagall besichtigte.

Auch ein Besuch im Niederdorf (Niederdörfli) hatte ich eingeplant und bummelte durch die engen Gassen, vorbei an kleinen, schnuckeligen Läden (sehr beliebt bei mir sind die Läden, in denen ich die verschiedensten Karten für meinen Kühlschrank erstehen kann) und an Straßencafés, die zum Verweilen einluden.

























Eine Schifffahrt auf dem Zürichsee durfte auch nicht fehlen. Der Zürichsee hat die Form einer Banane, ist rund 42 km lang und 3,85 km breit. Ich machte eine kleine Schifffahrt, bei der ich im oberen Abschnitt des Sees blieb. Danach genoss ich viele andere auch ein Bad im Zürichsee, der wärmer war, als ich gedacht hätte.























Zürich hat 88 Frosttage, 26 Eistage und drei Hitzetage im Jahr. Und diese drei Hitzetage erwischte ich anscheinend bei meinem Besuch. Ich spazierte über die Seepromenade und hoffte dabei auf ein leichtes Lüftchen, aber vergebens. Obwohl es so heiß war, ließ es sich eine Hare Krishna – Prozession nicht nehmen, von Trommeln und Flöten begleitet und bunt gewandet, auf der Uferpromenade zur Innenstadt zu ziehen.



















Trotz dass Zürich auf mich einen gemütlichen, heimeligen Eindruck machte, würde ich Zürich dennoch als Weltstadt bezeichnen. Viele Touristen aus allerlei Ländern besuchen die Stadt, es finden regelmäßig große Veranstaltungen und Konzerte statt, es lassen sich reichliche Sehenswürdigkeiten bestaunen und unter den Einwohnern begegnet man unzähligen Einwanderern aus der ganzen Welt.

Zürich besitzt sehr wohl das Flair einer Weltstadt. Und ich werde bald wiederkommen. Ein großes Danke an meine Gastgeber für das schöne, erlebnisreiche Wochenende!

©Belle

Freitag, 23. Juli 2010

Pauls Toutonghi – Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war

Verlag: Rowohlt/Berlin
Gebundene Ausgabe: 367 Seiten
Originaltitel: Red Weather
Übersetzung: Eva Bonné

Kurzbeschreibung:

Yuris Vater erzählt seinem Sohn allabendlich auf dem Balkon wunderbar melancholische Lügengeschichten, in denen er der Star ist, ein toller Hecht, eine Legende. In den sechziger Jahren aus Lettland emigriert, ignorieren Yuris Eltern hartnäckig, dass sie ihren amerikanischen Traum in den Sand gesetzt haben. Um jeden Preis wollen sie im öden Brauereinest Milwaukee heimisch werden. Yuris Vater ist schon mal von Wodka auf Bourbon umgestiegen, seine Mutter pflastert die Wände mit Werbeanzeigen, beide sprechen ausschließlich Englisch, wenn auch ein recht zweifelhaftes, und bemühen sich überhaupt, amerikanischer zu sein als jeder Amerikaner. Nur Yuri scheint irgendwie aus der Art zu schlagen. Seit er sich in die Jungkommunistin Hannah verliebt hat, zitiert er beim Essen neuerdings Marx und Lenin. Für seine Eltern bricht eine Welt zusammen. Trotzdem lassen sie den Sohn seine eigenen Erfahrungen machen. Und das tut dieser auch ausgiebig, bis ein nächtlicher Ausflug mit Hannah, der schlimme Folgen hat, ihn über Nacht erwachsen werden lässt. Und gerade noch rechtzeitig versteht Yuri, dass das Leben wirklich so irre ist, wie sein Vater immer behauptet - und alles, aber auch alles möglich.

Autor:

Pauls Toutonghi wurde als Sohn eines ägyptischen Vaters und einer lettischen Mutter geboren, lebt in Portland, Oregon, und arbeitet an seinem nächsten Roman. Seine Texte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Pushcart Prize.

Meinung:

Mein Dad ist wieder mal betrunken und singt.
Schon in einem früheren Leben hatte mein Dad davon geträumt, Countrysänger zu werden.
Dabei schien der Umstand, dass er in einem Vorort der lettischen Hauptstadt Riga in einem Neubaublock lebte, für ihn keine Rolle zu spielen.
In seinen Träumen vom Westernleben trug mein Dad strassbesetzte Sporen und einen schwarzen Stetson. Er würde sich im Umland von Nashville, Tennessee, niederlassen. Er würde sich einen Bluetick-Jagdhund anschaffen, vielleicht sogar zwei, und bei Sonnenuntergang, wenn das Licht gerade richtig wäre, würde er Bourbon trinken und den Untergang der traditionellen amerikanischen Musik betrauern. Er (Rudolfs Balodis, The Lonely Latvian) und seine Band (The Tragic Trio) würden einen Grammy nach dem anderen abräumen. Er würde dann nicht länger in Milwaukee, Wisconsin, leben.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive des sechzehnjährigen Yuris erzählt, der sich mitten in der Pubertät befindet, somit ziemlich verwirrt durch die Gegend läuft und Dinge tut, die ihm bald über den Kopf wachsen. Schon zu Beginn verliebt sich Yuri in Hannah, was vom Autor gut nachvollziehbar dargestellt wird. Leider enttäuscht Yuri mit der Auswahl der Angebeteten seinen Vater, dem stets betrunkenen Geschichtenerzähler. Und damit kommt die Handlung ins Rollen, Yuri versucht bei jedem Eindruck zu schinden, besonders bei Hannah, was ihn auf absurde Ideen bringt und den Leser dazu, ihn manchmal schütteln und zur Vernunft bringen zu wollen. Aber auch seinem Vater und seiner Mutter versucht er es auf irgendeine Weise Recht zu machen. Dann taucht die Familie des Vaters auf, die Yuri vorher noch nie gesehen hat und er erfährt Sachen über seinen Vater und auch über sich, die er gar nicht glauben mag.
Yuri ist ein absolut liebenswerter Charakter, der auf dem Weg ist, seine Orientierung zu finden. Überhaupt gelingt es dem Autor, seine Figuren bildhaft und voller Leben zu gestalten, und vor allem dem Vater eine herrliche Sprache zu verleihen:

>>Ich denke bei mir: Welch ein angenehmes Eichhörnchen. Es arbeitet hart, nach meiner Meinung. Es hat einen so buschigen und angenehmen Schwanz.<<

Die Dialoge lesen sich sehr witzig, bisweilen habe ich Tränen gelacht.
Die Handlung selbst gibt Einblick in das Auswanderschicksal vieler Osteuropäer, die in Amerika auf eine ganz neue, andere Kultur stoßen und damit, wie auch mit der Sprache, zurechtkommen müssen.

Ein witziges Buch mit Tiefgang, meiner Meinung :-).

©Li

Sonntag, 18. Juli 2010

Johnny Cash - The Ring of Fire



Johnny Cash, geboren am 26. Februar 1932, war ein US–amerikanischer Countrysänger und Songschreiber.Er trug den Beinamen „Man in Black“, hat etwa 500 Songs geschrieben und mehr als 53 Millionen Tonträger verkauft. Johnny Cash wurde mit 15 Grammy Awards ausgezeichnet. Er starb am 12. September 2003, nur wenige Monate nach dem Tod seiner Frau June Carter, an den Folgen eines Lungenversagens.

Eins seiner besten Lieder:



©Belle

Walk the line

Ein leichtes Leben hatte Country-Gott Johnny Cash nicht: Der Bruder starb einen tragischen Unfalltod, der überstrenge Vater lehnte den jungen John ab. Mit der Armee verschlug es ihn nach Landsberg, bald darauf kaufte er seine erste Gitarre, versuchte sich zunächst als Vertreter und stellte sich schließlich einem Produzenten vor. Doch das war nur der Anfang einer Karriere, die neben rauschendem Erfolg auch private Rückschläge, Drogensucht und die problematische Beziehung zu seiner großen Liebe June Carter bereithielt.




Darsteller: Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Ginnifer Goodwin, Robert Patrick, Shelby Lynne
Regisseur: James Mangold
FSK: 6
Spieldauer: 130 min


Ein Film über das Leben des legendären Countrysängers Johnny Cash.
Der Film beginnt in dem Jahr, in dem Cashs Bruder tödlich verunglückte, ein Verlust, über den er nie hinwegkam. Der Film zeigt Cashs Jahre als Soldat in Deutschland, seine Heimkehr nach Amerika, seinen langsamen Aufstieg in der Musikbranche und seinen tiefen Fall, den er dem Alkohol und den Drogen zu verdanken hatte. Immer an seiner Seite June Carter, seine spätere Ehefrau, die selbst Country sang, und ihn vor dem Schlimmsten bewahrte.
Gespielt wird Johnny Cash von Joaquin Phoenix, den er für seine Rolle selbst ausgesucht hat. Phoenix spielt voller Leidenschaft, überzeugend und glaubwürdig. Reese Witherspoon beeindruckt in ihrer Rolle als June Carter.


©Belle

Richard Price - Cash

Verlag: S.Fischer
Gebundene Ausgabe: 521 Seiten
Originaltitel: Lush Life
übersetzt von Miriam Mandelkow

Klappentext :

Als der Barkeeper Ike Marcus auf dem Heimweg von einer Kneipentour erschossen wird, konzentrierten sich Detective Matty Clark und sein Team vom NYPD zuerst auf Mitopfer Eric Cash. Der behauptet, sie seien als Gruppe von zwei Bewaffneten überfallen worden, obwohl es gegenteilige Zeugenaussagen gibt. Wem sollen die Cops glauben? Bedrängt von den Medien und dem Vater des Opfers, müssen sie allen Spuren nachjagen, bevor sie erkalten ...

Autor:

Richard Price wurde 1949 in der Bronx geboren. Viele seiner Romane wurden verfilmt, u.a. von Spike Lee. Price schreibt außerdem Drehbücher für Filme von und mit Martin Scorsese, Al Pacino und Paul Newman. 2007 gewann Price den Edgar Award für seine Arbeit an der hochgelobten TV-Serie „The Wire“, für die er monatelang bei der Polizei recherchierte. Er lebt in New York.

Meinung:

Vier Sweatshirts in einem Pseudotaxi Ecke Clinton Street an der Abfahrt der Williamsburg Bridge beim Abschöpfen der kleinen Fische. Die Task Force Lebensqualität. Ihr Mantra: Dope, Kanonen, Überstunden; ihr Motto: Jeder hat etwas zu verlieren.

Ein Meisterwerk, ein amerikanisches Meisterwerk. Price schreibt und beschreibt das Leben in New York auf kühle, distanzierte, bisweilen abgehackte Weise, und doch befinde ich mich mitten drin, direkt neben Matty, dem Detective des NYPD, der Ike Marcus Mörder sucht, direkt neben Billy Marcus, für den der Tod seines Sohnes unfassbar ist und dessen Gewissen keine Ruhe lässt, der helfen will und dabei doch die Arbeit der Polizei mehr behindert denn unterstützt, und direkt neben Eric Cash, der unter Verdacht gerät und dadurch langsam, körperlich wie seelisch, auf den Abgrund zu trudelt.
Price Beschreibungen sind bildhaft, seine Vergleiche zum Niederknien.
Anfangs verwirrte mich die rasche Reihe an Namen, Szenen und Dialogen, und ich brauchte eine gewisse Zeit, um mich ein und zurechtzufinden. Doch es hat sich gelohnt, dranzubleiben, meine Begeisterung wuchs mit jeder Seite. Price gelingt mit nur wenigen Worten eine genaue Innenansicht seiner Protagonisten, ihr Denken, Handeln und Fühlen auf das Hauptsächliche zu reduzieren und für den Leser greifbar zu machen.

Fazit:

Absolut lesenswert!

©Li

Mumford & Sons


Mumford & Sons

Die 2007 in London gegründete Band Mumford & Sons, um den Sänger und Gitarristen Marcus Mumford, ist eine britische Folk – Rock Band, die innerhalb eines Jahres so viel Popularität erlangte, dass sie 2008 beim Glastonbury Festival auftreten durften.

Album:

Sigh No More (2009)

Singles:

Little Lion Man (2009)
Winter Winds (2009)
The Cave (2010)



©Belle

Samstag, 17. Juli 2010

Die fliegenden Trautmans - Miriam Toews

Verlag: Berlin Verlag
Gebundene Ausgabe: 255 Seiten
Originaltitel: The Flying Troutmans
übersetzt von Christiane Buchner


Kurzbeschreibung/Klappentext:

Als Hattie den Anruf erhält, ist klar, dass sie ihr ungezwungenes Leben in Paris aufgeben muss. Statt Touristen an der Seine zu porträtieren und ihren Freund Marc anzuhimmeln, kehrt sie zurück nach Kanada, um sich um die Kinder ihrer Schwester zu kümmern. Min muss schwer depressiv in eine Klinik eingeliefert werden, und Hattie soll Ersatzmutter für die elfjährige Thebes und den fünfzehnjährigen Logan spielen. Nicht nur, dass sie sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlt, es geht auch wirklich alles schief. Logan fliegt wegen Kontakt zu Gangmitgliedern von der Schule, Thebes färbt sich die Haare lila und kommuniziert nur noch in Hiphopslang. Hattie entscheidet schnell, dass sie sich aus dem Staub machen und den verschollenen Vater der beiden suchen werden.
Auf diesem anarchischen Roadtrip übernachten sie in schäbigen Motels, begegnen kuriosen Typen, geraten in eine Schlägerei, vor allem aber beginnen sie zu reden, wirklich miteinander zu reden, einander Geschichten zu erzählen, und wachsen so, während der Wagen Kilometer um Kilometer frisst, zu einer schrulligen kleinen Patchworkfamilie zusammen.


Autor:

Miriam Toews wurde 1964 in Steinbach geboren, einer Mennonitengemeinde in der kanadischen Provinz Manitoba. Sie studierte Geisteswissenschaften und Journalismus und lebt heute als Journalistin und Autorin in Winnipeg.


Meine Meinung:

Tja, sieht schlecht aus. Vor ein paar Wochen rief mich meine Nichte Thebes mitten in der Nacht an und bat mich zu kommen. Sie habe versucht, sich um alles zu kümmern, aber jetzt gehe es nicht mehr: Min liegt nur noch im Bett, ist süchtig nach blauen Torpedos und fühlt sich von einer Horde silbergrauer Autos bedroht (ich wusste auch nicht, was Thebes meint), Logan hat Ärger in der Schule, und wenn der Direktor anruft, gibt Thebes sich als Min aus; das Haus steht Kopf, die Fliegentür hat neulich der Wind fortgerissen, hinter dem Klavier lebt eine militante Mäusefamilie und die Nachbarn sind sauer, weil ständig Äxte über den Zaun fliegen(wieder unklar, irgendwas mit Logan)... Kurzum, die Sache läuft aus dem Ruder. Und Thebes ist erst elf.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an begeistert. Nicht nur allein die komische und doch traurige Handlung, die zum Teil verrückten Gestalten und seltsamen Begebenheiten, die den Figuren widerfahren, haben Eindruck hinterlassen, sondern vor allem auch die humorvollen Dialoge zwischen den Figuren, die einfallsreichen Vergleiche der Autorin und ihr gerader Stil haben mich überzeugt.
Die Autorin schafft es mit einem Augenzwinkern und einem sehr liebevollen Ton, die Schwächen und Fehler ihrer Figuren zu beschreiben, und sie trotzdem mit allem Respekt zu behandeln, so dass mir die Figuren schnell ans Herz gewachsen sind und ich mit ihnen und ihrem Abenteuer mitgefiebert habe.
Auch die Rückblicke in Hatties Vergangenheit, in denen die Autorin von den Schwierigkeiten der Familie mit Hatties depressiver, psychotischer Schwester Min gibt, lesen sich authentisch.

©Li